(Quelle: main-treffer.de) Mit Unentschieden kommt die Spvgg. 05 Oberrad vom Tabellenende der Hessenliga nicht weg.

Auch gegen die Sportfreunde Seligenstadt kam die Mannschaft von Trainer Mustafa Fil nicht über eine Punkteteilung hinaus. Nach einer sehr spannenden und intensiven Hessenligabegegnung hieß es am Ende 2:2 zwischen den beiden Kontrahenten. Ein Punkt, der die Aussichten der 05er auf den Klassenerhalt rapide sinken lässt. Mit nur elf Punkten zieren die Südostfrankfurter weiter das Tabellenende und nach der Partie war angesichts des deprimierenden Saisonverlaufs von nur einem Sieg aus 18 Spielen erstmals so etwas wie Resignation zu spüren. Die Einhardstädter können mit dem Remis dagegen leben. Mit 30 Punkten behauptete das Team von Sportfreunde-Trainer Lars Schmidt die gute Position im Tabellenmittelfeld.

 

Rund um den Kunstrasenplatz an der Oberräder Beckerwiese hatten sich dichte Nebelschwaden gebildet, die die Sicht auf das Spielfeld stark beeinträchtigten. Vor der Partie hatte die Jugendabteilung der Hausherren die Mannschaft mit einer Choreografie und dem Spruchband „Wir glauben an euch“ überrascht. Die Sportfreunde rissen von Anfang an das Zepter an sich und drängten die Oberräder zurück. In der ersten Viertelstunde hatten die Gäste deutlich mehr Ballbesitz und kamen zu mehreren guten Chancen. Die Gastgeber bekamen zunächst kein Bein auf den Boden und konnten froh sein, nicht schon zu Beginn in Rückstand geraten zu sein. Die erste Torchance hatten die Seligenstädter in Gestalt von Evanggelos Bellos, dessen Schuss aus 20 Metern von Oberrads Torhüter Julian Bibleka gehalten wurde. Kurz darauf tauchte Tobias Leis im Strafraum der Hausherren auf und scheiterte am ehemaligen U19-Spieler der Frankfurter Eintracht. Sebastian Weigand musste dann nach einem Kopfball auf der Linie klären und Bibkeka war dann auch gegen einen Distanzschuss von Mladenovic auf dem Posten. Die Oberräder brauchten zwölf Minuten, bis sie erstmals zum Torabschluss kamen. Ertugrul Erdogan kam aus halbrechter Position zum Schuss und Seligenstadts Torhüter Mike Wroblewski zeigte sich aufmerksam. Nach einem weiten Befreiungsschlag von Torwart Bibleka landete der Ball vorne bei Baris Odabas, der knapp rechts am Tor vorbeischoss. Ausgerechnet Routinier Murat Fil zeigte den jungen Leuten dann den richtigen Weg. Eine Hereingabe von der rechten Seite von David Schmelz verwertete der Oldie aus 18 Metern in das lange Eck zur 1:0-Führung der Spielvereinigung (15.). Die Platzherren blieben dann auf dem Gaspedal und waren bemüht, den zweiten Treffer nachzulegen. Nach einer Odabas-Flanke köpfte Paul Bickel über das Tor. Mit viel Kampfgeist gingen die 05er wie gewohnt zu Werke und wollten den Vorsprung möglichst mit in die Pause nehmen, denn Seligenstadt wurde mit zunehmender Spieldauer stärker und zielstrebiger. Einen Volleyschuss von Bellos konnte Bibleka noch halten. Dann wurde Jan Hertrich in zentraler Position nicht gestört und der Seligenstädter kam völlig ungehindert zum Torschuss und traf zum 1:1-Ausgleich (39.). Ein vermeidbarer Gegentreffer, denn der sonst so starke Oberräder Torhüter machte in dieser Szene keine gute Figur und musste die Kugel passieren lassen. Noch vor der Halbzeit machte der junge Keeper seinen Fehler wieder gut und lenkte einen gefährlichen Freistoß von Tobias Leis um den Pfosten. So ging es mit einem Remis in die Halbzeitpause.

 

Furios starteten die Sportfreunde in den zweiten Durchgang. Ein langer Ball von Löbig reichte aus, um die Innenverteidigung des Tabellenletzten auszuhebeln. Der ehemalige Bundesligaspieler von Eintracht Frankfurt und des Karlsruher SC Christopher Reinhard tauchte dann alleine vor dem Tor auf und behielt die Nerven. Vom Innenpfosten landete die Kugel im Tornetz und es waren noch keine 60 Sekunden gespielt, da führten die favorisierten Gäste erstmals mit 2:1. Oberrad versuchte nun dagegen zu halten und kam zu Strafraumszenen. Allerdings verweigerte Schiedsrichter Martin Kliebe aus Hessisch Lichtenau den Gastgebern zwei mögliche Elfmeter. Erst kam Suljic im Strafraum zu Fall, dann wurde der Südkoreaner Jongin Park umgerissen. In beiden Szenen blieb die Pfeife des Unparteiischen zum Entsetzen von Oberrads Trainer Mustafa Fil stumm, der sich darüber vehement beschwerte und vom Referee dafür ermahnt wurde. Oberrad war nun klar tonangebend und schnürte die Einhardstädter regelrecht ein. Ein Tor wollte jedoch zunächst trotz bester Chancen nicht fallen. Der für Routinier Murat Fil nach einer Stunde eingewechselte frühere Wehener Timo Becker quer zu David Schmelz, dessen Diagonalball von Wroblewski pariert wurde. Dann war es ausgerechnet der aus Seligenstadt gekommene Feta Suljic, der nach einer Rechtsflanke den Ball völlig freistehend am Tor vorbei setzte. Auch Becker, erneut Suljic und Park vergaben dann im Minutentakt aus aussichtsreichen Positionen den Ausgleich. Bis die 88. Minute kam. Nach einem Eckball landete ein Abpraller im Rückraum bei Baris Odabas, der aus der zweiten Reihe beherzt abzog und ins rechte Eck zum vielumjubelten 2:2-Ausgleich traf. Nun setzte Oberrad alles auf eine Karte und wollte den Sieg. Bickel und der eingewechselte Atzberger verpassten den möglichen Siegtreffer in einer Schlussphase, in der alles möglich war. Denn in der Nachspielzeit setzten die Einhardstädter noch zu zwei Kontern an, die es in sich hatten. Sowohl der eingewechselte US-Amerikaner Carlos McCrary mit einem Heber über das Tor, als auch Hofmann, der am glänzend reagierenden Bibleka scheiterte, hatten den Siegtreffer der Seligenstädter buchstäblich auf dem Fuß.

 

„Oberrad wollte die Chance erhöhen, um die Liga zu halten und dementsprechend habe ich meine Jungs eingestellt. Wir haben eine gute Anfangsphase gespielt, wo wir selber Druck aufgebaut haben und viele Abschlüsse hatten und wo uns das Glück nicht allzu hold war. Wir haben dann einmal den Rückraum nicht besetzt beim Gegentreffer und dann ist bei uns die Pace rausgenommen worden. Wir haben es aber trotzdem geschafft, kurz vor der Halbzeit noch auszugleichen und den Schwung wollten wir mitnehmen. Das 2:1 unmittelbar nach der Halbzeit war für Oberrad ein Genickschlag. Oberrad hat dann gut reagiert und uns permanent bearbeitet und hinten eingeschnürt. Es war eine zwangsläufige Geschichte, dass das 2:2 fällt. Was interessant war, dass wir am Ende die Chance hatten, das 3:2 zu machen, wo der Torwart von Oberrad überragend hält. Aber das wäre wahrscheinlich des Guten zu viel gewesen. Es war ein verdientes 2:2. Für Oberrad etwas zu wenig und wir können damit leben. Jetzt gehen wir beruhigt in die Winterpause“, lautete die Spielanalyse von Seligenstadts Trainer Lars Schmidt auf der Pressekonferenz in der neueröffneten Vereinsgaststätte der Oberräder. Der Coach zog ein Fazit seines ersten Halbjahres als Trainer der Sportfreunde: „Ich habe in Seligenstadt bislang eine sehr schöne Zeit verlebt. Wir hatten einen schwierigen Einstieg in die Saison mit drei Niederlagen. Dann haben wir uns stabilisiert und wir hatten sehr gute Phasen mit vier Siegen hintereinander. Ich denke wir haben jetzt schon die Basis gelegt, um nächstes Jahr wieder Hessenliga spielen zu können. Aber es sind noch ein paar Siege einzufahren. Wir hätten heute gerne hier gewonnen. Dann hätten wir 32 Punkte gehabt und uns vom Mittelfeld abgesetzt. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben in Seligenstadt. Wir haben sehr nette Leute im Umfeld und ich hoffe das geht so weiter“.

 

„Vielen Dank an Jonny Tewelde für die Neueröffnung des Vereinshauses. Das wurde auch Zeit, dass wir endlich wieder ein Vereinsheim haben. Schade, dass Präsident Stefan Uhl nicht da war, denn wie die Zuschauer und die Jugendmannschaften voll hinter uns standen, das hat mich sprachlos gemacht. Die Choreografie der Jungs war überwältigend und deswegen finde ich es sehr schade, dass wir nicht mit den drei Punkten belohnt worden sind. Wir haben auf mehreren Positionen gewechselt und es haben sieben Stammspieler gefehlt. Aber das darf keine Entschuldigung sein, denn alle Spieler, die im Kader sind, müssen sich in der Hessenliga zeigen. Um so erstaunlicher war es, dass mein Bruder Murat Fil das 1:0 gemacht hat. Ich habe heute einen Spieler wie ihn gebraucht, der als verlängerter Arm innerhalb der Mannschaft die Jungs steuert und mehr Selbstvertrauen gibt. Mit seinen 42 Jahren kann er natürlich keine 90 Minuten gehen. Er hat seine Aufgabe mit Bravour gemeistert. Beim 1:1 sah der Torwart sehr unglücklich aus, aber der Gegenspieler kriegt keinen Druck in der zweiten Reihe und da muss ich meinem Spieler einen Vorwurf machen. Wir haben versucht, alles in die Waagschale zu werfen. Die Jungs haben gebrannt und man hat ihnen angesehen, dass sie wollen. Christopher Reinhard steht dann mit einem langen Ball ganz frei vor dem Torwart und der zimmert das Ding vom Innenpfosten rein. Die Jungs haben Moral bewiesen und versucht immer wieder nach vorne zu spielen. Torchancen waren genug da, wobei auch vor dem 2:2 das 1:3 hätte fallen können. Es hätte auch das 3:2 fallen können auf beiden Seiten. Der Schiedsrichter hat uns drei glasklare Elfmeter verweigert. Den einen Schlag hat man bis nach Sachsenhausen gehört. Der Schiedsrichter hat es nicht gehört und nicht gesehen. Wir spielen hier sehr emotional und die Schiedsrichter waren dieses Jahr nicht auf unserer Seite. Vielleicht habe ich mir das auch selber zuzuschreiben, durch die Art und Weise, wie ich mit den Schiedsrichtern umgehe, aber wir sind hier in der Hessenliga und der Schiedsrichter darf sich von so etwas nicht beeinflussen lassen. Es war ein richtungsweisendes Spiel für die Spvgg.05 Oberrad. Ich stehe immer vor meiner Mannschaft, aber es wird sehr schwer. Wenn wir eine Hochrechnung starten wollen, dann ist es ganz einfach. Wir brauchen 38 Punkte und 11 haben wir. Wir müssen aus den nächsten 14 Spielen neun Siege holen und das ist meiner Meinung nach nicht machbar. Deswegen werden wir uns nach dem Baunatal-Spiel mit dem Verein und dem Vorstand zusammensetzen und werden dann gucken, wie es mit dem Verein weiter geht. Es geht um den Verein und nicht um meine persönlichen Belange oder die der Spieler. Sondern es geht darum, wie der Verein sich demnächst aufstellen wird. Wir müssen sehen, dass wir das Beste für den Verein machen“, sagte Oberrads Trainer Mustafa Fil auf der Pressekonferenz.

 

„Die Frage ist, ob das Spiel stattfindet. Das Spiel wäre ja eigentlich im September gewesen am 7. Spieltag. Baunatal konnte damals nicht zu Hause spielen und das Spiel nicht nach Oberrad drehen. Der Klassenleiter hat das Spiel auf den 12. 12. gelegt. Wenn wir nicht in Baunatal spielen können, weil sie nur einen Rasen im Stadion haben, dann wird das Spiel nach Oberrad verlegt. Wir werden alles geben, um was zu reißen. Ansonsten wird es sehr schwierig, denn das Lazarett hat sich erhöht. Olli Drexel ist mit einem Muskelfaserriss raus. Ich hoffe, dass Lars Günther die Woche ins Training einsteigt. Wir wollen so sauber wie möglich in die Winterpause gehen. Dann werden wir alles analysieren und schauen, wie es hier dann weitergeht“, blickte der Trainer auf das Spiel in Nordhessen voraus.

 

Spvgg. 05 Oberrad: Bibleka; Bickel, Weigand, Schmelz, Erdogan, Odabas, Suljic, Park (78. Atzberger), Drexel (80. Budimir), Murat Fil (59. Becker), Aydilek – Trainer: Mustafa Fil
 
Sportfreunde Seligenstadt: Wroblewski; Gültekin, Leis, Reinhard (56. McCrary), Hofmann, Bellos, Hertrich, Löbig (80. Knecht), Stefani, Piarulli, Mladenovic – Trainer: Lars Schmidt
 
Schiedsrichter: Martin Kliebe (Hessisch Lichtenau). Zuschauer: 200
Tore: 1:0 Murat Fil (15.), 1:1 Jan Hertrich (39.), 1:2 Christopher Reinhard (46.), 2:2 Baris Odabas (88.)
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